< 10 FRAGEN – 10 ANTWORTEN >

Ihr nennt eure Gruppenleiter Führer. Was versteht ihr darunter?

Ein Führer oder eine Führerin ist für uns eine Persönlichkeit, die in die Gruppe integriert ist und in Eigenverantwortung die Werte und Ziele der Pfadfinderbewegung vermittelt. Dies sind vor allem Verantwortungsbereitschaft, Selbständigkeit und ein christliches Menschenbild und ein bewusster Umgang mit der Natur. Kennzeichen von Führung ist ein starker persönlicher Bezug des Führers zu den ihm anvertrauten Menschen. Zu dieser Verantwortung bekennen sich unsere Gruppenführerinnen und Gruppenführer. Pfadfinder haben ein Erziehungsziel; deshalb gibt es Führer, die den Weg dorthin weisen und vorangehen.

Bei euch gibt es Gaue, Stämme, Sippen. Wieso benutzt ihr diese veralteten Begriffe?

Die Begriffe sind - zugegeben- schon sehr alt. sie stammen aus dem Germanischen und beschreiben eine freundschaftlich - familiär verbundene Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig verpflichtet sind. Dies ist auch das Modell für unsere Gruppen. Deshalb wurden die Begriffe von Anfang an in der Pfadfinderarbeit in Deutschland benutzt- lange bevor sie im dritten Reich missbraucht wurden. Für uns haben sie eine nun schon fast siebzig -jährige Tradition. Diese möchten wir nicht so einfach aufgeben. Die kleinsten Gruppen in unserem Verband heißen Sippen. Sie bestehen in der Regel aus 6-8 Mitgliedern; so sind sie übersichtlich und geben gerade jüngeren Mitgliedern die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Hier spielen auch die enge Zusammengehörigkeit und das Aufeinander -angewiesensein eine besondere Rolle. Stämme sind die Zusammenschlüsse mehrerer Sippen an einem Ort, Gaue umfassen mehrere Stämme in einer größeren Region. Diese Untergliederung erleichtern die altersgemäße Arbeit und helfen, Zusammenhalt zu fördern.

Traditionen sind euch wichtig. Welche? Und warum?

Unsere inhaltlichen Grundlagen und äußerlich sichtbaren Zeichen stehen in einem engen Zusammenhang mit den Traditionen unseres Pfadfinderverbandes. Zu den inhaltlichen Grundlagen gehören z.B. das Pfadfindergesetz- und -versprechen, die Arbeit in Altersstufen und die Arbeit mit dem Evangelium. Nach außen treten natürlich vor allem in Erscheinung: Die Kluft oder Tracht, Fahnen, Abzeichen oder auch der Kreis in dem gegessen, gesungen, diskutiert und Andacht gehalten wird. dabei sind die meisten äußerlichen Formen in enger Verbindung mit den traditionellen Inhalten unserer Arbeit geprägt worden. Unsere Traditionen gehen auf den Gründer der Pfadfinderbewegung, Lord Robert Baden Powell, zurück. Oder sie sind im Laufe der (deutschen) Pfadfindergeschichte entstanden und stammen z.B. aus den Vorgängerbünden (CPD - Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands, EMP - Evangelischer Mädchen-Pfadfinderbund , BCP - Bund Christlicher Pfadfinderinnen). Sie sind uns wichtig, weil sie uns helfen, unsere Ziele zu Verwirklichen und zugleich die Grundideen des Pfadfindertums zu bewahren. Die Pfadfindertraditionen betonen die Gemeinschaft in unseren Gruppen und in der weltweiten Pfadfinderbewegung und machen sie auch nach außenhin sichtbar.

Ihr wollt Werte vermitteln. Warum eigentlich? Und welche?

Wir wollen, dass junge Menschen ihre vollen geistigen, körperlichen und gesellschaftlichen Fähigkeiten erlangen - als Einzelne, als verantwortungsbewusste Bürger und als Glieder ihrer örtlichen, nationalen und internationalen Gemeinschaften. Junge Menschen auf der Suche nach Sinn und Orientierung sollen im VCP den christlichen Glauben als Angebot und als Chance für ihr Leben erfahren. Unsere Werte sind in den Pfadfindergesetzen formuliert:
Als christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder richten wir unser Leben nach Jesus Christus aus.
Christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder...
-sind aufrichtig in Gedanken, Worten und Taten.
-sind zuverlässig und hilfsbereit
-verlieren in Schwierigkeiten nie den Mut.
-schützen die Natur und bewahren die Schöpfung
-leben einfach und können verzichten.
-fügen sich aus freiem Willen in die Gesellschaft ein.
-sind kameradschaftlich und treu.
-setzen sich für Frieden ein und lösen Streit ohne Gewalt.
-nehmen Rücksicht und achten auf ihre Mitmenschen.
-tragen zur Freundschaft aller Pfadfinderinnen und Pfadfinder bei.

Eure Aufnahmen sind ein geheimnisvolles Ritual. Was verbindet ihr damit?


Für den Sippling bedeutet die Aufnahme den Weg in die Gemeinschaft der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. So wie die Anerkennung der geleisteten Arbeit mit und in der Sippe. Die Aufnahmefeier schafft eine besondere Atmosphäre, durch die das Versprechen eine besondere Bedeutung erhält. Im Versprechen kommen die pfadfinderischen Werte und Ideale zum Ausdruck. Mit dem Versprechen geht der Sippling eine Verpflichtung sich selbst und der Gemeinschaft ein:

Im Vertrauen auf Gottes Hilfe verspreche ich, als PfadfinderIn mein Leben nach Jesus Christus auszurichten, unsere Pfadfindergesetze zu erfüllen und in meinem Stamm mitzuarbeiten.

Ihr seit leicht mit der Hitlerjugend oder heutigen Neonazis zu verwechseln. Was unterscheidet euch von denen?

Die Pfadfinderbewegung wurde im Jahre 1907 von Robert Baden Powell in England ins Leben gerufen. Erste Pfadfindergruppen gab es in Deutschland etwa ab 1911, also deutlich früher als die HJ im dritten Reich. Weil die Pfadfinderarbeit auch damals schon gut und erfolgreich war, weil sie Kinder und Jugendliche begeistert, wurde und wird sie immer kopiert, wie dies die HJ getan. Auch heute gibt es solche rechtsradikale Jugendgruppen (z.B. die verbotene Wiking-Jugend), die unter dem Denkmantel ‚Pfadfinder’ arbeiten. Formen und Symbole der Arbeit wurden aber auch in dem kommunistischen Systemen, z.B. von der Freien Deutschen Jugend der DDR nachgemacht. Das macht deutlich, das wir- unabhängig davon, welche äußeren Formen wir verwenden - immer ungebetene Nachahmer haben werden. Wer einmal hinter die Äußerlichkeiten auf die Inhalte blickt, der wird sehr schnell feststellen, dass wir mit HJ oder Neonazis nichts gemeinsam haben. Unser Ziel ist es, unsere Mitglieder erlebnisorientiert zu selbstständigen, verantwortlich denkenden und weltoffenen Menschen zu erziehen und sie in die Lage zu versetzen sich ein eigenes Urteil zu bilden. Der VCP ist an keine Partei oder Ideologie gebunden.

Euer Führungssystem ist undemokratisch.


Auf der Ebene der Stämme werden die Führungen gewählt und von Gremien (Voll- oder Delegiertenversammlungen) kontrolliert. Die meisten unserer Stämme haben auch eine eigene Ordnung, die das Verhältnis der verschiedenen Aufgabenträger zueinander regelt. Und das gilt erst recht für alle übrigen Ebenen des Verbandes. In diesem demokratischen Gefüge werden allein die Führerin und Führer unserer Sippen nicht von ihren Gruppen selbst gewählt, denn es erscheint uns nicht verantwortbar, 8- 10 jährige oder auch 10- 12 jährige ihren Gruppenführer selbst wählen zu lassen. Für diese Ämter müssen geeignete Personen gefunden werden, die eine entsprechende Schulung haben und schon gezeigt haben, dass sie Verantwortung tragen können. Gerade hier gilt aber auch: wir führen im Dialog mit den Kindern und Jugendlichen und ziehen jede und jeden zur Mitverantwortung heran.

Ihr singt Lieder aus Kriegszeiten

Unsere Lieder sind nicht die der jeweils gültigen Popmusikhitlisten. Das gemeinsame Singen ist Ausdruck unserer Gemeinschaft und Lebensfreude, aber auch unserer Nachdenklichkeit. Wir machen unsere Musik selbst und unsere Liederbücher belegen ein breitgefächertes Repertoire. Der überwiegende Teil unserer Lieder ist ohne geschichtlichen oder politischen Bezug. Viele der älteren Lieder sind als deutsche Volkslieder allgemein bekannt oder stammen aus den Liedersammlungen der Wandervogel- und Pfadfinderbewegung. Diese singen wir weil sie uns das Lebensgefühl ihrer Entstehungszeit nahe bringen können. Sie sind Zeitdokumente - auch aus Kriegs- und Revolutionszeiten, die nicht gedankenlos gesungen werden. Wir bemühen uns, den jüngeren die Bedeutung, Herkunft und Sprache der Lieder zu erläutern. Kriegsverherrlichende Lieder singen wir nicht. Andere Lieder haben wir von unseren Fahrten mitgebracht, von ausländischen Partnergruppen gelernt oder selbst gedichtet. So wollen wir unserem heutigen Lebensgefühl musisch Ausdruck verleihen und unsere gemeinsame(n) Geschichte(n) vertonen.

Eure Lagern erinnern an eine Vormilitärische Ausbildung!

Vormilitärische Ausbildung will auf den Krieg, auf den Umgang mit Waffen vorbereiten. Wir PfadfinderInnen erlernen bei unseren Lagern das Leben in der Gruppe, das gemeinsame Lösen von Problemen und den schonenden Umgang mit der Natur. Gerade bei internationalen Lagern und Fahrten ins Ausland lernen wir andere Kulturen kennen und achten. Pfadfinder erziehen zum Frieden; als internationale Bewegung sind sie zur Toleranz gegenüber anderen jederzeit bereit. Unsere Arbeit findet zu einem großen Teil in der Natur statt. Wir wollen in der Natur etwas über die Natur lernen. Karte und Kompass, die Kenntnis von Sternbildern, das Lagerfeuer und das Zelten im Freien helfen uns, unsere natürliche Umwelt besser zu verstehen. Mit vormilitärischer Ausbildung hat das alles nichts zu tun.

Ihr tragt eine Uniform. Wieso eigentlich?

Die Kluft, das sind das Pfadfinderhemd und das Halstuch, wurde vom Gründer der Pfadfinderbewegung eingeführt, um die sehr unterschiedliche gesellschaftliche Herkunft der Kinder nicht schon an der Kleidung sichtbar werden zu lassen. Sie hat sich - zusammen mit dem Halstuch - auch als sehr praktisches Kleidungsstück erwiesen. So ist die Kluft zu einem sehr wichtigen Erkennungszeichen unserer pfadfinderischen Arbeit geworden. Einige Teile der Kluft können individuell gestaltet werden und grenzen sie somit von einer Uniform ab. Die Kluft ist zudem ein Ausdruck der Gemeinschaft und Verbundenheit der Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf der ganzen Welt. Wir gehören zu dieser weltweiten Gemeinschaft und wollen dies auch äußerlich deutlich machen. In vielen Ländern der Welt ist die Pfadfinderkluft heute sehr angesehen.