Geschichte des Pfadfindertums
in Deutschland
Überblick:
1909 -1918 Anfänge und Vorkriegs- bzw. Kriegszeit
1918 - 1921 Erneuerungsbewegung
1921 -1933 Zeit der großen Bünde
1933 - 1945 Auflösung, Verbot, Arbeit im „Untergrund"
1945 - 1960 Wiederaufbau nach dem 2.Weltkrieg
1960 - Mitte der 70er Umbruch und Veränderung
seit Ende der 70er Rückbesinnung auf pfadfinderische
Traditionen
1909 -1918 Anfänge und Vorkriegs- bzw. Kriegszeit
Wurzeln der deutschen Pfadfinderbewegung:
1. allgemeine Jugendbewegung, gekennzeichnet durch Zivilisationsmüdigkeit
und Kritik
an den bestehenden Verhältnissen: Suche nach neuen Wegen zur
Lebensgestaltung
2. Pfadfinderbewegung von Baden-Powell
3. bestehende Jungmännerbünde und Jugendverbände
• die meisten Pfadfinderverbände waren damals stark durch Erwachsene geprägt
und von
Staat und Militär gefördert
• Mitglieder waren vor allem Schüler höherer Schulen, Studenten und junge
Akademiker
• Kleidung und Ausrüstung sowie Begriffe (Pfadfinderregiment) waren an das
Militär
angelehnt; Führer waren oft hohe Offiziere
• mit näherrückender Kriegsgefahr trat die
Wehrkrafterziehung in den Vordergrund
• im Gegensatz dazu standen die „Wandervögel", die vor 1918 keine
Verbindung zu den
Pfadfindern hatten (gleichaltrige Führer, Opposition zur bürgerlichen
Gesellschaft,
eher unkontrolliert und „chaotisch")
• durch den Krieg (Fehlen von Führern) nahem sich die Pfadfinderverbände den
Wandervögeln an
1918 -1921 Erneuerungsbewegung
• nach dem Krieg verliert das Pfadfindertum jede
vormilitärische Funktion; Entwicklung
zur eigenständigen Jugendbewegung
• das Selbstverständnis der Pfadfinder, die vor dem Krieg sehr
„kaisertreu" waren, ist
total zerstört
• der Krieg und seine Katastrophen führen bei vielen Führern zu einer
totalen Abkehr
bisheriger Formen (militärische Kleidung und Abzeichen verschwinden) und
Geisteshaltungen. Elemente wie Völkerversöhnung und soziale Ideen kommen zur
Geltung
Wandervogel und Pfadfinderei vermischen sich; in dieser Zeit entsteht die
Einteilung in Sippen, Stamm, Gau, Wölflinge, Pfadfinder und Jungmannschaften
(=heutigen Rover).Es entstehen die typischen Elemente Wandern, Großfahrt,
Waldläufe,...
1921 -1933 Zeit der großen Bünde
• in dieser Zeit erlebt die Pfadfinderei eine große Blüte: zahlreiche starke
Bünde und
Verbände entstehen, so auch 1921 die Christliche Pfadfinderschaft
Deutschlands
(CPD) als Zusammenschluß von evangelischen
Jungmännerbünden
• in der CPD spielt die Bibelarbeit eine überragende Rolle (ähnlich dem
CVJM)
• bis 1933 kämpften die Pfadfinderverbände kaum gegen den aufkommenden
Nationalsozialismus, sondern hielten sich aus dem politischen Geschehen
heraus, was
der damaligen bündischen Lebensweise entsprach
• viele Ideen des Nationalsoziausmus (soziale
Gerechtigkeit, Volksgemeinschaft, etc.)
waren den Pfadfindern durchaus sympathisch, von der tatsächlichen
Entwicklung
wurden die Pfadfinder überrumpelt
1933 - 1945 Auflösung, Verbot, Arbeit im „Untergrund"
• um sich gegen die Hitlerjugend zu wehren, vereinigten sich fast alle
Pfadfinderbünde
zum Großdeutschen Bund, dennoch war der Abwehrversuch vergeblich, der
Großdeutsche Bund wurde polizeilich aufgelöst
• 1933 Gleichschaltung der CPD und Überführung in die Hitlerjugend (alle
Mitglieder
unter 18 Jahren)
• nach dem Verbot gingen viele Führer und Mitglieder in die HJ, in der
Hoffnung, diese
von innen umzuwandeln bzw. ihre speziellen Ideen dort getarnt fortzusetzen.
Dies
haben viele von ihnen mit Gefängnis, Konzentrationslager oder dem Leben
bezahlt.
• 1937 Auflösung des Bundes und Verbot durch die GESTAPO (Haussuchungen und
Verhaftungen).
• eine Minderheit organisierte im „Untergrund" Fahrten, Lager und
Gruppenstunden.
Diese Aktionen wurden aber infolge der polizeilichen Überwachung seltener.
• Viele Ältere hielten untereinander brieflich Kontakt (Rundschreiben).
1945 - 1960 Wiederaufbau nach dem 2.Weltkrieg
• das Schicksal der Pfadfinderei hing nach 1945 am Willen der Siegermächte.1946
erstes
Treffen von Älteren der CP in Hannover
• ab 1947/48 wird die Pfadfinderarbeit in den drei Westzonen wieder erlaubt
• 1949 schließen sich die CPD, DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft
St. Georg) und BDP
(Bund Deutscher Pfadfinder) zum Ring Deutscher Pfadfinderbünde (RDP)
zusammen. Der Ring wird 1950 in die Weltpfadfinderorganisation aufgenommen.
• es entsteht ein blühendes Leben in der CPD mit großen Bundeslagem
(1948, 1950,
1954,1960)
1960 - Mitte der 70er Umbruch und Veränderung
• Mitte der 60er kommt die Außerparlamentarische Opposition (APO) auf, es
kommt zuStudentenunruhen
• in den Verbänden setzen sich zunehmend Gruppen durch, die die
traditionellen pfadfinderischen Methoden radikal in Frage stellen und eine
Abkehr vom Bisherigen
• neben Ablehnung von Kluft, Versprechen, Pfadfindergesetz und dem
Begriff der„Führung", fordern sie offene Jugendarbeit und
rufen zu Ungehorsam gegen Schule und Elternhaus auf; Ziel ist die Politisierung
der Pfadfinderei|
• am stärksten betroffen ist davon der BDP, dem der Weltverband offen mit Ausschluß
• CPD und DPSG trennen sich vom BDP und gründen zusammen mit dem BdP (Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder) einen neuen
Ring
• auch an der CPD geht die Auseinandersetzung nicht vorbei, wenn auch nicht
so scharf wie im BDP. Einzelne Landesverbände (z.B. Rheinland-Pfalz/Saar)
widersprechen der Abschaffung alter Traditionen (Begriffe, Stände, Kluft, etc.)
heftig; es kommt fast zum Austritt des Landes RPS
• 1973 vereinigt sich die CPD mit der EMP (Evangelischer
Mädchenpfadfinderbund)und dem BCP (BundChristlicher
Pfadfinderinnen) zum VCPJ
• in den folgenden Jahren kommt es immer wieder zur Abspaltung einzelner
Gruppen: (z.B. CPD e.V.), unser Landesverband wird zum scharfen Kritiker des
Bundesverbandes
seit Ende der 70er
Rückbesinnung auf
pfadfinderische Traditionen
• seit Mitte der 70er macht sich im VCP die Wiedergeburt traditioneller
Elemente bemerkbar. Es wird wieder Kluft getragen, 1978 findet nach 10 Jahren
wieder ein Bundeslager statt, über Proben und Stände wird wieder diskutiert,
die Politisierung des Verbandes wird zurückgedrängt. Dies ist nicht zuletzt der
Verdienst des Landes RPS. Der Bundesverband und RPS nahem sich wieder an;
Mitglieder aus RPS werden zu Bundesvorsitzenden gewählt oder in die
Bundesleitung berufen; die Bundeslager 1984jEschwege und 1988 Ruhpolding zeigen
deutlich pfadfinderische Züge